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Planungssicherheit für Investitionen

Für die Georg Utz AG Bremgarten sind die stabilen Besitzverhältnisse einer der Erfolgsgaranten.

Der Bremgarter Hersteller von mehrwegfähigen Kunststoffbehältern weist einen Exportandteil von 50 Prozent am Umsatz aus. Die Georg Utz AG profitiert von der steigenden Nachfrage für nachhaltige Produkte.

Einst Werkzeugbauproduzent ist die Georg Utz AG heute einer der führenden Hersteller von aus Kunststoff hergestellten Mehrwegverpackungssystemen und Paletten für die moderne Logistik. Längst ist die Unternehmensgruppe global tätig. Zur Georg Utz Holding AG, die ihren Sitz mit der Gruppenleitung auch in Bremgarten hat, gehören acht Ländergesellschaften auf drei Kontinenten. Rund 1200 Mitarbeiter beschäftigt die Gruppe.

Keine wilden Aktionen

Im Stammhaus in Bremgarten ist Carsten Diekmann Geschäftsführer der Georg Utz AG (Schweiz). Für die Schweizer Ländergesellschaft ist gemäss Diekmann - wenig verwunderlich - die Wechselkursthematik im Exportgeschäft einer der wichtigsten Faktoren, zumal der Exportanteil am Umsatz beträchtliche 50 Prozent beträgt. Längerfristige Kundenverträge von mehreren Jahren mit Rohstoffklauseln können zwar je nachdem angepasst werden; bei Schwankungen von mehr als fünf Prozent beispielsweise. Grundsätzlich jedoch zähle der Kurs bei Vertragsabschluss.

Für Carsten Diekmann ist jedoch ein Punkt für den Erfolg der UtzGruppe matchentscheidend: "In den 12 Jahren, seit denen ich bei der Firma tätig bin, habe ich keinen Schnellschuss oder Aktionismus von der Gruppenleitung oder dem Verwaltungsrat erlebt. Das gibt auch in unruhigem Fahrwasser Ruhe." Die stabilen Eigentumsverhältnisse - die Mehrheit der Aktien gehört der Gründerfamilie - sorgen ebenfalls für Sicherheit. Es besteht nicht ein kurzfristiger Druck vonseiten des Aktienmarkts, von Quartal zu Quartal den Gewinn zu steigern.

Utz ist nicht an der Börse kotiert. "Wir müssen nicht durch wilde Aktionen am Markt Profit erzielen", sagt Diekmann. Die Firma verfügt über 100 Prozent Eigenkapital. So kann das Unternehmen längerfristig und somit nachhaltig planen und strategisch wachsen. Förderlich für den Export ist für die Georg Utz AG auch, dass ihre Produkte betreffend derzeit keine Handelshemmnisse bestünden, auch wenn man selbstverständlich dem freien Markt mit ausländischen Bewerbern voll ausgesetzt sei. Hier zählen oftmals Innovationen und Umsetzungsgeschwindigkeit, um erfolgreich Projekte zu gewinnen.

Brexit: "Das wird unangenehm"

Bevor Carsten Diekmann Geschäftsführer der Georg Utz AG in der Schweiz wurde, war er für die Firma rund zehn Jahre in Grossbritannien tätig. Vor Ort erlebte er so 2016 die aus seiner Sicht verhängnisvolle Abstimmung mit dem Ja im Referendum zum Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU. "Ich habe mich so geärgert, dass ich mir unter anderem einen Bart habe wachsen lassen, als sichtbares Zeichen von Protest", schildert der bekennende Europäer. Mit Polemik und Falschbehauptungen sei die Bevölkerung verleitet worden. Diekmann ist überzeugt: "Ich bin mir sicher, das wird unangenehm, wenn der Brexit ungeordnet erfolgt." Und zwar unangenehm in erster Linie für Grossbritannien allgemein. Die George Utz Ltd. in England bereitet sich auf verschiedene Szenarien vor, um allfälligen Lieferengpässen bei den Rohstoffen und Wartezeiten an den Landesgrenzen vorzubeugen. Utz bekennt sich indes aber klar zum Standort in England und zur lokalen Produktion. Das hat seinen Grund: "Mit rund 55 Millionen Einwohnern gibt es eine grosse Inlandnachfrage", erklärt Carsten Diekmann. Trotz dem Brexit sei der Konsum bei den Briten nach wie vor stark. Dennoch: Diekmann erklärt auch, dass für Grossbritannien allgemein die Brexit-Unsicherheiten die Gefahr von Investitionsstopps bergen. "Das ist leider so." Planungssicherheit ist der treibende Motor für Investitionen weltweit, ist Carsten Diekmann überzeugt. Und Diekmann sieht ganz allgemein wirtschaftspolitisch die Gefahren des Protektionismus. "Dort, wo der Handel eingeschränkt und Zölle eingeführt werden, ist dies nicht förderlich." Er plädiert dafür, dass die Europäer zusammenstehen. Tun sie dies nicht, seien sie allein gegenüber den USA, Russland und China eine kleinere Nummer. "Man muss das Verbindende verstärken und das Trennende ausblenden." Schliesslich sorge die Stabilität in Europa für Planungssicherheit, seit 70 Jahren habe es keinen Krieg mehr gegeben. Er gibt noch einen Tipp: "Die Schweiz tut gut daran, offen zu sein. Wir sind eine innovative leistungsstarke Exportnation."

(Quelle: Bremgarter Bezirksanzeiger)